Polen, wir kommen!

Processed with VSCOcam with m5 preset

Der Zug kam pünktlich und die vier UnAufler auch – die Reise kann also los gehen! Nach Wochen der Planungen, Recherche und unsere Versuchen, sich der polnischen Kultur bereits intellektuell so stark wie möglich zu nähern, geht unser Abenteuer nun endlich los. Erster Halt auf unserer Reise ist Toruń, eine 200.000 Einwohner-Stadt im Norden Polens, die sich vor allem durch ihre Universität auszeichnet: die Nikolaus-Kopernikus-Universität (Kopernikus war der Mann, der zum ersten Mal beschrieb, dass die Erde sich um die Sonne dreht) hat 30.000 Studierende.

Studieren für den Abschied

Während unseren Recherchen ist uns ein Thema immer wieder begegnet: obwohl es Polen wirtschaftlich gut und in den letzten Jahren immer besser geht, gibt es viele Studierende, die nach ihrem Studium Polen verlassen, um im Ausland zu leben und zu arbeiten.

Um uns diesem Thema zu nähern, treffen wir in Torún zunächst Dominik Antonowicz. Antonowicz ist Soziologe und berät das polnische Bildungsministerium. Er beschäftigt sich mit europäischer Bildungspolitik und Globalisierung und wir sind gespannt, was er uns zu dem Thema erzählen kann. Abends treffen wir Joanna, die nach ihrem Abitur in Großbritannien studieren will. Sie wird uns sicherlich weiterhelfen können auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, warum so viele junge Polen ihr Land verlassen, um im Ausland zu studieren, zu leben und zu arbeiten.

Warum wir nach Polen fahren (und ihr das auch tun solltet)!

Johannes Metternich

Für einen gebürtigen Rheinländer wie mich schien Polen, obwohl Deutschlands Nachbar, immer sehr weit weg zu liegen, noch hinter der Toskana und Mallorca. Spargelstecher, billiges Bier, Auschwitz, Osten – das sind die Assoziationen, die sich über die Jahre in meinem Bewusstsein festgesetzt haben. Spätestens jetzt, wo ich nur noch eine Regionalzugfahrt von der polnischen Grenze entfernt lebe, ist es jedoch höchste Zeit, mit so manchen verkrusteten Stereotypen aufzuräumen – bei mir selber und den UnAuf-Lesern, denen es ähnlich geht. Und was könnte dafür besser geeignet sein als eine Reise quer durch das ganze Land? Einige Vorurteile dürfen sich jedoch auch gerne erhärten. Das mit dem billigen Bier zum Beispiel.

Annika Koch

Wer will nicht wissen, wie es den eigenen Mitstudierenden geht? Ich will es auf jeden Fall und ich denke, nach Polen fahren lohnt sich, um die Situation unserer Kommiliton_innen auf der anderen Seite der Oder kennenzulernen. Lassen wir uns dort inspirieren: Auf der Suche nach neuen Ideen für die Organisation des Studiums, für das studentische Leben, den Weg auf den Arbeitsmarkt. Öfter als hierzulande, erwägen Studierende in Polen, in ein anderes Land zu migrieren. Welche Ursachen und Folgen hat das für sie persönlich, wie verändern sie Freundschaftsnetzwerke und Kontakte? Eine Frage, die nicht nur spannend als Betrachtung aus der Ferne ist, sondern, in einer Zeit größerer globaler Mobilität, auch uns selbst mehr und mehr betrifft.

Benjamin Knödler

Es gibt – zumindest aus Berliner Sicht – im wahrsten Sinne des Wortes nichts Näherliegendes als nach Polen zu Reisen. Schließlich ist Polen das am nächsten gelegene Nachbarland. An die Grenze nach Frankfurt (Oder) dauert es mit dem Zug eine gute Stunde, nach Warschau sind es nicht einmal sechs Stunden. Alleine deswegen ist es schon einmal höchste Zeit, sich diesem Land einmal genauer zu widmen. Polen ist aber nicht nur ein nahe gelegenes Land, es ist in seiner heutigen Staatsform auch ein junges Land. Die letzte große Zäsur hat es ebenfalls erst mit dem Fall des eisernen Vorhangs erlebt, die aktuelle Verfassung wurde sogar erst 1997 verabschiedet. Wie es sich als junger Mensch dort lebt, mit allen positiven Neuerungen, möglicherweise aber auch neu entstandenen Schwierigkeiten – das zu entdecken ist ja wohl auf jeden Fall eine Reise wert. Für uns und für euch.

Hannes Schrader

Ich war bisher erst einmal in Polen, auf der Erstifahrt nach Görlitz. Dort musste ich nur über eine Brücke gehen, schon war ich in Osteuropa. Ich wurde begrüßt von zwei Schildern, auf dem einen wurde für Wodka geworben („günstig!“), auf dem zweiten für Zigaretten. Das war also mein erster und bisher einziger Eindruck unseres Nachbarlandes. Als in der Redaktion dann angekündigt wurde, dass wir dieses Jahr nach Polen reisen, war ich sofort dabei. Schließlich hat Polen ja noch deutlich mehr zu bieten. Schöne Altstädte, gutes Essen und einen ganzen Haufen junge Leute zum Beispiel, wie mir ein Freund erzählt, der lange dort gelebt hat. Das war aber nicht der einzige Grund. Ich bereue es nämlich bis heute, mich damals nicht mit Wodka und Zigaretten eingedeckt zu haben.