Kopernikus On Air

On Air
Radio Sfera ist das Studierendenradio der Nikolas-Kopernikus Universität Toruń. Fünf Tage die Woche senden die Studierenden hier von neun Uhr morgens bis 21 Uhr abends für ihre Kommilitonen. Annika und Hannes haben sie besucht.

„Es ist 8 Uhr und wir beginnen mit der Nachrichtensendung Zdzis“, sagt Aleksandra Pospieczyńska ins Mikrofon. Die Stimme der 30-jährigen ist fest, sie klingt sicher und erfahren. Umgeben von Bildschirmen koordiniert sie parallel die Beiträge, die Wände des kleinen Studios sind mit Postern tapeziert. „On Air“ leuchtet es über ihr in roten Großbuchstaben – Aleksandra sendet gerade live für die 30.000 Studierenden am Campus der Uni Toruń. „So viele hören aber nicht zu“, lacht Bartek Makowski. Der 22-jährige macht ebenfalls beim Radio mit. Ein Blick auf den Computer verrät: derzeit hat Aleksandra fünf Zuhörer.

Zwischen 20 und 40 Leute sind bei Radio Sfera aktiv – wie bei jeder studentischen Initiative sind es mal mehr, mal weniger. Das hält das Team aber nicht davon ab, an Wochentagen von neun Uhr früh bis neun Uhr Abends durchgehend zu senden – und nebenher noch Konzerte und Filmabende am Campus zu organisieren. Das Hauptprogramm ist das Nachrichtenmagazin Zdzis, das die Studierenden über das Geschehen am Campus und Hochschulpolitik informiert. Der heutige Aufmacher: „Ein Professor unserer Uni wurde zum Vizeminister für Bildung ernannt“, sagt Aleksandra.

„Im Radio kannst du sein, wer du willst“

Radio ist für sie eine einzigartige Erfahrung: Früher dachte Aleksandra immer, sie sei schüchtern. Dann ist sie zum Radio gegangen, wo es nur auf die Stimme ankommt. „Im Radio kannst du dich zu dem machen, der du sein willst“, sagt Bartek. „Die Leute, die mir zuhören, wissen nicht wie ich aussehe, aber sie können es sich vorstellen und ich kann dieses Bild mit meiner Stimme erzeugen.“

Außerdem denken die Beiden an ihre Karriere. Bartek arbeitet nebenbei bei einer großen Lokalzeitung in Toruń und möchte Erfahrung sammeln, um später Journalist zu werden. „Dank Radio Sfera können wir auf unseren Lebenslauf schreiben, dass wir uns mit den Programmen auskennen, mit denen wir hier die Sendungen fahren“, erzählen Bartek und Alexandra. Das müssen sie auch: „Es gibt viele Arbeitsplätze, die nicht mal die Kosten für Miete und Lebensmittel decken“, sagt Aleksandra. Die Leute gehen damit unterschiedlich um: „Es gibt zwei Typen von Studierenden: die einen, die sich keine Gedanken darüber machen, was sie in Zukunft mal tun wollen. Und Leute wie wir, die ein bisschen Panik kriegen und sich deswegen in der Uni oder außerhalb engagieren, um Erfahrung zu sammeln“, erklärt sie.

Polen verlassen? Niemals!

Bartek bei der Moderation.

Bartek bei der Moderation.

Es studieren einfach zu viele Leute, sagt Bartek. Gehen deshalb viele Polen ins Ausland? Ja, meint er. 20 bis 25%, schätzt Bartek, verlassen Polen nach dem Studium, um im Ausland zu leben und zu arbeiten. Sie erhoffen sich bessere Jobs und bessere Bezahlung. Er will aber bleiben. „Ich bin ein typischer polnischer Patriot. Immer wenn ich ins Ausland fahre, regnet es. Und wenn ich nach Polen zurückkomme, scheint die Sonne. Es ist wie der Kuss einer schönen Frau. Es ist idiotisch, aber so ist es“, lacht er und strahlt. Dann muss er sich entschuldigen: die Sendung wartet. Er geht zurück ins Studio, setzt sich vor das Mikrofon. Er schiebt einen Regler nach unten, einen anderen nach oben. Aleksandra legt ihren Zeigefinger auf den Mund, alles wird still. „On Air“ leuchtet es wieder rot über unseren Köpfen.

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